Erntedank 2010 - Brot für die Welt
Brot für die Welt - so heißt das kirchliche Hilfswerk, für das wir am Erntedankfest sammeln. Brot ist für unser Leben elementar (wie wir an der schönen Exteraner Windmühle anschaulich erleben können). Über unseren Umgang mit dem "täglich Brot" hat sich unser Gemeindeglied Gerhard Niemann Gedanken gemacht, die wir hier gern veröffentlichen.
Er schreibt dazu: "Unsere Eltern haben uns aus den Erfahrungen der beiden Weltkriege und den Nachkriegsjahren, auch aus christlicher Überzeugung, zu hoher Achtung und Verantwortung im Umgang mit Nahrungsmitteln erzogen. Das hieß: sorgsame Verwendung, möglichst nichts verkommen lassen, nicht mit Nahrungsmitteln spielen oder sie zu anderen Zwecken missbrauchen, auch nicht mehr auf den Teller zu tun, als wir gut essen konnten. Unsere Mutter backte oder kaufte Brot nur einmal in der Woche. Sie hat immer betont, dass altes Brot für den Magen bekömmlicher ist als zu frisches. Sie musste es ja wissen, denn sie ist 93 Jahre alt geworden."
Brot für die Welt 26.09.2010
80.000 Tonnen = 80.000.000 kg Brot und Brötchen werden in Deutschland jährlich als Überangebot im Handel (siehe Anlage, Artikel Herforder Kreisblatt vom 13.09.2010) verfüttert oder weggeworfen, weil wir als Verbraucher erwarten, dass die Regale noch abends bis Ladenschluss (max. 22.00 Uhr) weitgehend gefüllt sind. Das entspricht 160.000.000 (160 Mio.) Brote (a 500 g).
Die reichen Industrienationen haben zusammen gut 10-mal so viele Einwohner wie Deutschland, rd. 1 Milliarde Einwohner, 1/6 der Weltbevölkerung.
Ebenso viele Menschen, rd. 1,2 Milliarden Menschen, auch rd. 1/6 der Weltbevölkerung hungern.
Geht man davon aus, dass rd. 800.000.000 Menschen in den reichen Industrieländern ein vergleichbares Konsumverhalten wie Deutschland mit einer entsprechenden Überschussproduktion haben, dann wird im Jahr die unvorstellbare Menge von 1.600.000.000 (1,6 Mrd.) Brote, a 500 g, weggeworfen.
Dieser Überschuss treibt als sinnloser, überschüssiger Verbrauch die Preise für Mehl und Getreide an den Getreidebörsen unnötig in die Höhe und verteuert, zusammen mit den zusätzlichen höheren Produktionskosten, die Nahrungsmittelpreise.
Jede Sekunde stirbt ein Mensch an Hunger. Das sind rund 30.000.000 (30 Mio.) Menschen pro Jahr.
Mit den 800.000.000 (800 Mio.) kg einer weltweit überschüssigen Brot- und Brötchenproduktion in den Industrieländern, 1.600.000.000 (1,6 Mrd.) 500g-Brote, hätte jeder verhungerte Mensch mit 53 Broten im Jahr, d.h. 1 Brot pro Woche, versorgt werden können. Allein mit dem überschüssigen Brot, das wir durch Überproduktion und maßlosen Konsumanspruch achtlos wegwerfen, könnten Millionen Menschen jährlich vor dem Hungertod bewahrt werden.
Natürlich ist das Ganze ein weltweites Verteilungsproblem, da man überschüssiges Brot wegen der relativ geringen Haltbarkeit nicht in entfernte Länder verschicken kann. Dennoch würde bei dem Verzicht auf einen sinnlosen Konsumanspruch der verminderte Verbrauch die Preise, gerade auch im Interesse der armen Länder, günstig beeinflussen. Es stände im Weltmarkt entsprechend mehr preiswertes Getreide für die ärmeren Länder mit hungernder Bevölkerung zur Verfügung
Wir hätten durch den Verzicht überhaupt keine Nachteile, außer dass wir gelegentlich mal ein Brot oder Brötchen essen müssten, das nicht unserer Geschmacksrichtung entspricht. Vor 50 Jahren gab es nur etwa drei Sorten Brot oder Brötchen, die in den kleinen Bäckereien abends bis auf einzelne Reststücke meist ausverkauft waren. Aus dem Rest wurde Paniermehl gemacht. Die Menschen in den Industrienationen haben damals genauso gut gelebt wie heute.
Gerhard Niemann





