Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Exter

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Mit Gott ins Neue Jahr

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Ein frohes Neues Jahr wünscht Ihnen die evangelische Kirchengemeinde Exter

 

Predigt am 2. Sonntag nach Weihnachten, 3. 1. 2010 über 1. Johannes 5, 11-13

Liebe Gemeinde,

das neue Jahr ist da und ich bin wieder an Bord! Seit Wochen habe ich keine Predigt mehr gehalten – und ich war froh darum. Denn erstens konnte ich nach den immer negativeren Nachrichten über die erneute, diesmal unheilbare Krebserkrankung meiner Frau gar nichts sagen, schon gar nichts zur frohen Botschaft. Aber zweitens habe ich in den Wochen von Advent und Weihnachten einige Predigten von Kollegen gehört, die mich angesprochen und getröstet haben – das war eine schöne Erfahrung ...
Nun muss das Leben aber weitergehen, für mich ein Leben mit der doppelten Belastung zwischen beruflichen und privaten Pflichten – damit stehe ich ja wirklich nicht alleine, andere schaffen das auch und können auf weniger Verständnis seitens des Arbeitgebers rechnen als ich.
Der ersten Predigt nach der Pause und zugleich des neuen Jahrzehnts liegt ein ziemlich spröder und dogmatischer Text zugrunde. Für den 2. Sonntag nach Weihnachten sieht die Predigtreihe 2, die die Episteltexte umfasst, die eben schon gehörten Worte aus dem ersten Johannesbrief vor: Und dies ist das Zeugnis: Gott hat uns ewiges Leben gegeben und dieses Leben ist in seinem Sohn. Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.  Dies habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr ewiges Leben hat, ihr, die ihr an den Namen des Sohnes Gottes glaubt.

Ganz im Gegensatz zu den vagen Aussagen zum neuen Jahr und Jahrzehnt, in denen es immer nur um zurückhaltenden Optimismus oder vorsichtigen Pessimismus geht, schenkt uns die Bibel zum neuen Jahr klare Sätze; ein Zeugnis, das der Schreiber des 1. Johannes-briefes mit seinem Leben bezeugt. Hier geht es nicht um das Christkind, das uns an Weihnachten hoffentlich zärtlich angerührt hat, hier geht es nicht um gute Vorsätze und die immer gleichen Wünsche für Gesundheit und Glück. „Vor allen Dingen Gesundheit! Das ist das Wichtigste!“ so hören wir´s zum Jahreswechsel oft – heute aber nicht.

Auch Paulus in seinem berühmten Wort sagt nicht: Nun aber bleiben Erfolg, Gesundheit und Glück - diese drei, aber die Gesundheit ist die wichtigste unter ihnen. Ihr alle könnt Paulus richtig zitieren: Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe – diese drei, aber die Liebe ist die größte unter ihnen!  (1. Korinther 13,13)

Und ihr könnt euch vorstellen, dass einem in diesen Tagen solche Worte neu und anderes wichtig werden, wenn man fragt, was am Ende wirklich wichtig bleibt. Wenn Gesundheit nicht mehr erreichbar ist, das Glück der letzten Jahre scheinbar zerrinnt und der Erfolg nicht einmal der letzten möglichen Therapie mit Strahlen und Chemo ausbleibt.
Dann bleiben einem zwei Möglichkeiten: entweder hadert man mit seinem Schicksal und fragt sich, warum Gott sich so von einem abwendet. Dann wird man bitter und kraftlos...
Oder man schaut genau hin, was da für ein Kind in der Krippe liegt, dessen Weg zum Leben über das Leiden und Sterben führt, man hört genau hin, was Gott einem zu sagen hat, so wie heute: Gott hat uns das ewige Leben gegeben!

Das ist kein leeres Versprechen wie das von einem einfacheren und gerechteren Steuersystem. Das ist ja auch nicht von Guido Westerwelle, sondern bezeugt von dem, dessen Geburt wir gerade vor wenigen Tagen gefeiert haben: Jesus aus Nazareth, der auferstandene Christus! Gott selbst ist Mensch geworden, durchlebt unser Leben – gute Zeiten, schlechte Zeiten, wie´s nun einmal ist – um uns darin und danach Anteil zu geben an seinem himmlischen und unendlichen Leben. Wer kann das wirklich fassen ?!

Damit wir damit aber nicht leichtfertig umgehen, findet der 1. Johannesbrief so klare, etwas spröde wirkende Worte: Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht!  Würden wir Jesus nur als Christkindchen annehmen und in ein paar Tagen mit der Krippe wieder wegräumen, dann wäre Gottes Menschwerdung für uns sinnlos gewesen. Erst wenn wir in Jesus den Heiland, der Erlöser, den Retter der Welt wirklich erkennen und im Glauben annehmen, macht die ganze Weihnacht Sinn!

Einen anderen Sinn als unseren Sinn, das ist wohl wahr! Aber wer zumindest die erste Strophe des Weihnachtsliedes „Ich steh an deiner Krippen hier“ gesungen hat, der hat doch gesungen: „Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Mut, nimm alles hin und lass dir´s wohlgefallen.“ (eg 37,1)

 

Was ist denn unser Sinn und Geist oft anderes als Erfolg, Gesundheit und Glück? Jesus bringt uns nicht Erfolg.

Wer hat denn heute Erfolg? Der, der sich gegen andere durchsetzt, der sich etwas leisten kann, so einer wie Silvio Berlusconi, den sie auch in Italien zwar heimlich einen Drecksack nennen, der aber doch – zumindest von den Männern – bewundert und gewählt wird...
Die Reichen und die Schönen, die Playboys und die Bosse, die Glamour-Ladies und Jetset-Girls, wir kennen ihre Villen und Whirlpools in Gala und Bunte und fragen vielleicht manchmal, wie sie darin wirklich entspannt und glücklich sein können, wenn sie an das himmelschreiende Unrecht von Hunger in der Welt und Kinderarmut vor der eigenen Haustür denken. - Wo Jesus steht, das wissen wir: immer an der Seite der Verlierer!

Jesus bringt uns auch nicht einfach Gesundheit. Obwohl wir als Kinder gerade die Wunder von den Heilungen am liebsten gehört haben. Später haben wir vielleicht verstanden, dass die Heilungen nur sehr vordergründige Zeichen einer ganz anderen Botschaft waren: nämlich einer Heilsbotschaft, die viel mehr umfasst und weiter reicht als körperliche Gesundheit. Heil werden ist viel mehr, es meint das eins sein mit sich selbst, mit den anderen Menschen und vor allem mit Gott. - Nein, Krankheit, Leiden und Sterben sind mit Jesus nicht aus der Welt verschwunden. Ihnen ist allerdings die letzte Macht über uns genommen, weil der leidende und sterbende Jesus von Anfang an als Sieger feststand. Weihnachten erhält seinen Glanz allein vom Ostermorgen her. Ohne das Licht der Auferstehung dieses Jesus sind alle unsere Lichter der Weihnacht nur künstlich und falsch, wie die Glühbirnchen, die erlöschen, sobald man den Stecker aus der Steckdose zieht.

Jesus bringt uns nicht das Glück. Was verstehen wir denn schon unter Glück? Einen Gewinn im Lotto, ein Leben ohne Leid, immer mehr im Licht stehen als die Anderen – ist das Glück?

Jesus kommt zu uns nicht als ein Glücksbringer, sein Zeichen ist das Kreuz, und das sollte man sich nicht einfach als Talisman um den Hals hängen. Jesus kommt als der König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich, der Heil und Leben mit sich bringt, derhalben jauchzt, mit Freuden singt: gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat. (eg 1,1)

Wer den Sohn Gottes hat, der hat das Leben. Klingt so einfach – und zugleich so schwer! Wie kann ich Jesus „haben“? Noch einmal fällt mir Paul Gerhardt ein:

Ihr dürft euch nicht bemühen noch sorgen Tag und Nacht,
wie ihr ihn wollet ziehen mit eures Armes Macht.
Er kommt, er kommt mit Willen, ist voller Lieb und Lust,
all Angst und Not zu stillen, die ihm an euch bewusst.
Er kommt zum Weltgerichte: zum Fluch dem, der ihm flucht,
mit Gnad und süßem Lichte dem, der ihm liebt und sucht.
Ach komm, ach komm, o Sonne, und hol uns allzumal
zum ewigen Licht und Wonne in deinen Freudensaal. (Wie soll ich dich empfangen, eg 11, 7+10)

Wer ihn hat, der hat das Leben, wer ihn nicht hat, der hat das Leben nicht. Nicht das erfüllte Leben hier, und nicht das ewige Leben. Denn wirklich glücklich, oder wie Jesus in der Bergpredigt sagt: „selig“ ist nur der, der vom Ziel her lebt, vom Reich Gottes her, von dem Sieg, der die Welt überwunden hat.

 

Uns allen - dir und mir - schenkt Gott seinen Sohn, auch heute gibt er ihn uns ganz greifbar im Heiligen Abendmahl, damit wir ihn in uns aufnehmen und mit ihm den Samen des Glaubens, der zur wunderbaren Pflanze aufwächst im ewigen Leben. Dieses Geschenk Gottes ist teuer erworben für uns, und auch für uns nicht billig zu haben:

Zu Bethlehem geboren im Stall ein Kindelein,
gibt sich für uns verloren; gelobet muss es sein.
Und wer dies Kind mit Freuden umfangen, küssen will,
muss vorher mit ihm leiden, groß Pein und Marter viel,
danach mit ihm auch sterben und geistlich auferstehn,
das ewig Leben erben, wie an ihm ist geschehn.

(Es kommt ein Schiff geladen, eg 8 4-6)

 
Liebe Gemeinde, diese Welt schafft auch 2010 wieder ihre Sieger und Verlierer.
In der Globalisierung, auf dem Arbeitsmarkt, in den Kämpfen um Geld und Glück, Gesundheit und Erfolg.
Wie gut, dass wir Gottes Wort haben, das so anders zu uns spricht und uns einen ganz anderen Grund für unser Leben gibt. Wie gut, dass wir alle im Glauben schon auf der Seite des Siegers stehen. Ich wünsche uns allen, euch und mir selber, dass wir diesen Jesus wirklich in uns und bei uns haben in all den Ängsten und Verzweiflungen.
Er hat das Evangelium für uns, die frohe Botschaft vom Heil für unser Leben, die wir uns hoffentlich auch 2010 gegenseitig immer wieder zusagen. Denen, die als Looser dastehen im Mobbing auf dem Schulhof, denen, die im Kampf um den Arbeitsplatz keine Chance hatten, denen, die den Halt in der Beziehung und Familie verloren haben, denen, die den Kampf gegen den Krebs nicht mehr gewinnen können, euch allen und der ganzen Welt ruft Gottes Wort heute zu: Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat!    
Und dies ist das Zeugnis: Gott hat uns ewiges Leben gegeben und dieses Leben ist in seinem Sohn. Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.  Dies habe ich euch gepredigt, damit ihr wisst, dass ihr ewiges Leben hat, ihr, die ihr an den Namen des Sohnes Gottes glaubt.

Amen.

 

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