Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Exter

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Ein zeitkritisches Gleichnis zu Erntedank

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Ein zeitkritisches Gleichnis zu Erntedank

(Lesung zu Erntedank 2009, Autobahnkirche Exter - nach einer Predigt über Lukas 12, 15-21 von Pfr. Wolfgang Oehmichen aus Sachsen, gehalten Erntedank 2003)
 
Es war ein wunderschönes Land mitten in Europa. Es hatte harte Zeiten hinter sich, aber die Menschen waren fleißig und hatten es zu etwas gebracht. Das Land war durchzogen von Autobahnen und guten Straßen, viele hatten sich ein Haus bauen können und wie reich sie waren, das zeigten sie nach außen durch wunderschöne Autos. Die Geschäfte waren voll, übervoll und in jedem Supermarkt war so viel, dass man gar nicht alles kaufen konnte und vieles wegwerfen musste. Zu allen Ländern der Welt hatte das Land Beziehungen aufgebaut und bald gemerkt, dass man vieles aus anderen Ländern viel billiger kriegen konnte. Ob Hemd oder Hose oder Computer, es kostete alles einen Bruchteil von dem, was man im eigenen Land hätte bezahlen müssen. Herrliche Länder konnten sie mit ihrem harten Geld bereisen und galten überall auf der Welt als reich. Und so ging es von Jahr zu Jahr und man dachte, es geht so weiter. Viel Geld lag auf den Banken, schon Kinder hatten ein Sparbuch und Oma und Opa stockten es fürs gute Zeugnis auf. Junge Leute mussten sich nicht mehr bei Wind und Regen auf ein Moped setzen, sie leisteten sich Autos und hatten noch Geld übrig zum Rauchen und Trinken. Was sollen wir nur noch machen, fragten manche Menschen, wir sind überall hingereist, wir essen reichlich und können uns so vieles leisten. Sie schenkten ihren Kindern einen eigenen Fernseher und Computer, sie zeigten jedem, dass sie ein Handy hatten und das viele Geld zum telefonieren dazu. Eigentlich waren sie auf viele Jahre versorgt und es hätte immer so weiter gehen können.
Eins hatten sie vergessen, dass sie eine Seele haben und dass man sie nicht mit Wohlstand füttern kann. Anfangs war für die Seele noch Gott zuständig, sie gingen in die Kirchen und passten auf, dass ihre Kinder noch etwas von Gott hörten. Aber sie hatten immer weniger Zeit, weil sie immer mehr organisieren mussten. Und sie merkten, es ist unbequem, sich die Zeit für Gott einzuteilen. Denn der Staat hatte ihnen in der Verfassung große Freiheiten gegeben. Es war alles möglich, man machte die Nacht zum Tage, es war kein Platz für Gott. Nein, nein, sie hatten doch nichts gegen den Glauben, aber da war so viel anderes.
Und Gott dachte sich, ihr armen Menschen! Was nützt euch alles, was ihr habt, wenn die Seele kaputt ist. Ihr merkt gar nicht, wie man eure Seele von euch fordert, euch wegnimmt. Und sie merkten es wirklich nicht, sie erschraken nur. Auf einmal wurde manches teurer und man musste dafür sparen. Sie bauten in ihre Autos Sicherheiten ein, die sie nur brauchten, weil sie rücksichtslos geworden waren. Sie erschraken, dass Amokläufe keine Seltenheit mehr waren und ein Familienvater ein Mädchen auf dem Rad anfuhr, um es zu vergewaltigen. Sie lasen keine Bücher mehr, sie verstanden nicht mehr, was im Theater gespielt wird und immer mehr wurden krank. Es fiel anfangs nicht auf, wie viele einer Sucht verfielen, keiner sagte etwas, wenn immer mehr Kinder geschlagen wurden und die Angst ging um. Allein durch dunkle Straßen zu gehen, traute sich keiner mehr. Immer bessere Sicherheitsschlösser kamen in die Wohnungstür und nur über eine Sprechanlage konnte man sie besuchen. Einige entdeckten, dass man mit Religion ein Geschäft machen kann. Jede Zeitung druckte ein Horoskop ab, und Wahrsager verdienten im Privatfernsehen viel Geld. Jedes Jahr kam ein neuer Wirkstoff, der gesund machen sollte und die Leute kauften es. Aber die Seelen blieben krank, die Angst wurde größer und die Gewalt grausamer. Weil alle viel verdienen wollten, verloren viele die Arbeit. Geld war der Gott geworden und beim Lottospiel lockten immer gigantischere Summen. Dafür hatten sie Zeit.
Und Gott sagte, Ihr Narren, habt ihr wirklich geglaubt, dass es ohne mich geht. Habt ihr wirklich geglaubt, dass Ihr Euer Leben sichern könnt ohne mich. Habt ihr geglaubt, es geht immer so weiter auf Kosten anderer. Habt ihr gedacht, Ihr habt ein Recht darauf, alles billig zu kriegen, während andere hungern? Habt ihr wirklich gedacht, ich bin so eine Nebensache, die dazu herhält, euer Wohlstandsfest im Dezember auszurichten? Wacht endlich auf, sonst wird man noch mehr von Eurer Seele fordern...
 

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