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Predigt zum Blaulichtgottesdienst 3. 4. 2011 über Johannes 12, 20-26 

Liebe Gemeinde,

mancher hat sich gefragt: „Was soll das denn sein: Blaulichtgottesdienst? Fährt man da mit 'Tatü tata´ zur Kirche?" - Nein, natürlich nicht! Ich freue mich, dass auf unsere Einladung hin heute einige in Uniform gekommen sind, damit wir sie als Träger einer bestimmten Aufgabe erkennen. Aber sie sind ohne Blaulicht gekommen. Ist ja schließlich heute kein Einsatz für andere – mehr etwas für sich selbst – und vielleicht ein bisschen für Gott...

Blaulichtgottesdienst: Blaulicht und Gottesdienst – die beiden Begriffe passen auf den ersten Blick nicht zusammen. Genauso wenig wie Autobahn und Kirche. Was bei den Menschen gar nicht zusammen zu denken ist, das bringt Gott manchmal zusammen. Gott ist kreativ – seine Schöpfung ist nicht am Ende, es gibt immer wieder neue Ideen durch Gottes Geist...

Damals vor 52 Jahren, als die Exteraner ihre alte Dorfkirche zur Einkehr für Reisende öffneten, hat sich noch keiner vorstellen können, was für ein Segen daraus erwachsen wird: Heute gibt es 38 Autobahnkirchen in Deutschland mit weit über 1 Million Besucher im Jahr. Ich wünsche mir, dass auch die Blaulichtgottesdienste in Exter zu einem jährlichen, festen Anlass, zu einem 'Rastplatz der Seele´ speziell für Einsatzkräfte werden.

Der Leitspruch am Altarbogen dieser Kirche spricht Einsatzkräfte sicher auch besonders an: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid – ich will euch erquicken!" Mühsal und Last ist mit dem Dienst in der Polizei verbunden, wenn gut eingespielte Strukturen aufgelöst werden und alles durcheinander gewirbelt wird. Wenn du dich als „Freund und Helfer" verstehst und dann als „Bullenschwein" beleidigt wirst. Mühsal und Last ist es jeden Tag im Rettungsdienst das Elend der Alten zu sehen - und für jeden Menschen sekundenschnell die richtigen Entscheidungen zu treffen. Mühsal und Last ist es für die Feuerwehr, nachts aufzuspringen und loszufahren, auch wenn es manchmal nur die Ölspur oder der Fehlalarm ist, und die Leute sagen: „Die löschen ja vor allem ihren Durst!" Mühsal und Last ist es, seine Wochenenden beim Roten Kreuz mit Blutspendenterminen und Übungen zu verbringen, und dann zu hören: „Du nimmst dir zu wenig Zeit für deine Familie!"

Ja, ihr Lieben, hier sind wir schon richtig – und es ist gut, dass wir uns zusammenrufen lassen von dem, der uns erquicken, mit neuer Kraft ausstatten will – heute im Heiligen Abendmahl. Es gibt vieles, was uns verbindet – ähnliche Motivationen und ähnliche Frustrationen - nur im Einsatz haben wir keine Zeit, uns mal näher kennen zu lernen und zu unterhalten. Darum gehört zum Blaulichtgottesdienst auch das Kirchcafé unbedingt dazu...

Wir von der Notfallseelsorge kommen ja oft erst, wenn andere Hilfe erfolglos war.

Bei Suiziden (dieses Jahr waren wurden wir schon bei zweien gerufen), bei abgebrochenen Reanimationen, tödlichen Unfällen, zur Überbringung von Todesbenachrichtigungen oder bei schweren Bränden. Wer plötzlich mit dem Tod konfrontiert wird oder durch andere schwere Verluste den Boden unter den Füßen verliert, der braucht Beistand durch einen Menschen, der Ruhe und Stabilität ausstrahlt, der vertrauenswürdig ist und mit aushält, was an Gefühlen raus will: Hilflosigkeit und Trauer; Aggressionen und Verzweiflung.

Es ist gut, dass es die Notfallseelsorge gibt. Sie entlastet und stützt nicht nur die Opfer

und  Angehörigen, nein: auch die Einsatzkräfte, die natürlich mitbekommen, was in den Menschen vor sich geht, denen die ganze Situation natürlich auch an die Nieren geht – sie sind doch – Gott sei Dank – auch nur Menschen in Uniform.

Im Gegensatz zu den meisten Menschen heute, die Leid und Tod aus ihrem Leben ausblenden, sind sie - sind wir – den Umgang mit Leid und Schmerz gewohnt. Der Tod gehört mit  zum Dienst – zum Glück nicht ständig, wie bei den armen Bestattern...

Wir – und auch das verbindet uns - können und wollen uns nicht vor Leid und Not und Tod drücken. Wir sind ja angetreten um Menschen zu helfen, um ihnen auch in den schwersten Stunden Hilfe und Beistand zu leisten. Das eint uns alle, ob wir Polizisten, Feuerwehrleute, Rettungsdienstler oder andere Helfer sind. Das eint uns auch mit der Gemeinde der Christen, in der ja alle - nicht nur der Pastor -, sondern alle einen Seelsorgeauftrag haben und hoffent-lich auch wahrnehmen. Nicht wegschauen, wo Leid ist, Traurige trösten, Kranke besuchen – das ist uns allen aufgetragen!

 Vielen Menschen ist das zu schwer. „Ich kann das nicht. Ich weiß gar nicht, was ich da sagen soll. Mir ist das alles zu traurig!" Im Fernsehen die Bilder aus Japan und Libyen, im persönlichen Umfeld die Neuigkeiten, wer auch noch Krebs bekommen hat – man will das nicht sehen, nicht hören, man will seine Ruhe haben und seine Spaß – das ist doch verständlich! Hier sind heute Menschen zum Blaulichtgottesdienst gekommen, die sich im Dienst mit Leib und Seele Situationen aussetzen, die nicht nur den Körper anstrengen, sondern auch die Seele belasten können. Die Aufgabe der Polizeiseelsorge und der Seelsorge in Feuerwehr und Rettungsdienst fängt damit an, hierauf vorzubereiten.

Wir bei der Polizei, bei der Feuerwehr sind Menschen mit Herz und Seele – keine harten Hunde! - Wir schützen unseren Leib vor Verletzungen - durch das Tragen von Schutz-kleidung – und wir müssen genauso unsere Seele vor Verletzungen schützen, durch Vorbeugung, durch gegenseitige Achtsamkeit und nachsorgende Gespräche zur Aufarbeitung, damit nicht irgendwann das berühmte Fass überläuft...

Dem Tod nicht aus dem Wege gehen. Können wir das, liebe Gemeinde? - Uns bleibt wohl früher oder später nichts anderes übrig, weil der Tod uns alle betrifft, uns alle trifft.

Wie gehen wir mit dem Tod um, woher nehmen wir die Kraft, was haben wir dem Dunkel entgegenzusetzen? - Das sind wesentliche Fragen, und wer mit ihnen irgendwie zurecht kommt, hat es leichter im Dienst und im Leben überhaupt. Wir Christen sind solche Menschen, die bei allen brennenden Fragen doch auch Wege, Antworten gefunden haben, die Ruhe bringen und inneren Frieden. Wir sind ja keine besonderen Menschen, auch nicht wir von der Notfallseelsorge – aber wir leben und handeln aus dem Glauben heraus, aus dem Vertrauen in Gottes Kraft, die stärker ist und weiter reicht als Tod und Leid. Wir weichen dem Schweren nicht aus, weil Gott ihm auch nicht ausgewichen ist, ganz im Gegenteil.

Er ist nicht im fernen Himmel geblieben, sondern Teil dieser Erde geworden. Gott ist Mensch geworden, damit wir Mensch bleiben. Als Kind in der Krippe berührt er jeden Weihnachten unser Herz: so klein und verletzlich ist Gott, uns so nah! Und jetzt in der Passionszeit bedenken wir Christen, hier zum Beispiel jeden Freitagabend eine halbe Stunde in der Passionsandacht die letzten Tage im Leben Jesu auf dem Weg ans Kreuz.

Passionsandachten sind nicht so gut besucht. Wer will sich das schon reinziehen, wie einer verhöhnt, geschlagen und gefoltert wird – ist ja furchtbar! Hört man in den Nachrichten doch genug davon – schrecklich!   

Warum tun wir uns das an, das Leid Jesu, das Leid anderer Menschen? - Ich weiß nur eine Antwort: Ostern! Weil Gott in Jesus Christus vom Kreuz zum ewigen Leben gegangen ist, um uns diesen Weg zu bereiten. Weil Gott dem Tod und dem Teufel den Kampf angesagt hat, und Jesus Sieger geworden ist! Weil wir niemals im Dunklen stecken bleiben, sondern alle Wege, auch die finstersten, bei Gott ins Licht führen. Weil Gottes Segen weiter reicht als all unser Verstand...

Solche Hoffnung, solche Zuversicht trägt mein Leben. Hilft mir den Tod meiner Frau zu verarbeiten, hilft mir – trotz eigener Trauer - mich Menschen in der Seelsorge zuzuwenden, die doch Beistand nötig brauchen. Keine schnellen Antworten, keine frommen Sprüche, kein „Wird schon wieder, Kopf hoch!" - das tut nur weh, wenn´s einem elend geht.

Nur ein Da-Sein, ein Ernstnehmen des Leides, ein Mit-Aushalten des Schweren -  es ist ja einfach schwer, was wir im Dienst und auch privat so erleben, wer wollte das klein reden...

Was da hilft, ist zu spüren und zu wissen: Ich bin nicht allein! Die Notfallseelsorge bildet ein Team, auch wenn sie allein kommt – wir unterstützen uns gegenseitig stark. In der Freiwilligen Feuerwehr heißt es Kameradschaft, der Polizist im Wach- und Wechseldienst weiß einen verlässlichen Partner auf Streife zu schätzen, der Rettungsdienst funktioniert überhaupt nur im perfekten Zusammenspiel der Mitwirkenden. Niemanden allein lassen mit den Lasten des Dienstes, darum bietet Kirche ihr Angebot der Seelsorge in Polizei, Feuer-wehr und Rettungsdienst. Bitte nehmt es einfach an! Lasst uns reden, miteinander unsere inneren Kräfte stärken, Gemeinschaft pflegen! Wir sind nicht allein, Freude und Frust im Dienst verbinden uns. Mensch sein, das will doch jeder, aber Mensch bleiben ist nicht immer einfach. Den harten Hund raushängen lassen, abstumpfen und frustriert den Dienst runter reißen, das passiert schnell. Aber es ist nicht gut.

Gott wurde Mensch, damit wir Mensch werden und bleiben. Wir sind niemals allein, weil Gott uns trägt und begleitet, auch und gerade auf den Wegen von Leid, Blut und Schmerzen.

Gott ist all dem nicht ausgewichen, und wir brauchen es auch nicht. Wir gehören zum Licht des Lebens, zum Sieger über den Tod. Polizeidienst, Feuerwehr- und Rettungsdienst ist so gesehen auch Gottesdienst, Blaulicht-Gottesdienst, Dienst für Gott und Dienst am Nächsten. Das ist doch mal ein Leitbild! Man mag´s belächeln – man sollte es trotzdem ausprobieren!

Wer könnte tröstlicher über den Tod reden als der, der ihn überwunden hat? Jesus sagt im Blick auf sein Sterben am Kreuz: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Wer zu sehr am Leben klammert, nichts für andere riskiert, der geht am Leben vorbei, aber wer sein Leben für andere hingibt, der wird von Gott mit dem ewigen Leben belohnt. Wer mir dienen will, der folge mir nach, und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren."

Mein Leben nur zum eigenen Wohl – mich gegen andere durchsetzen, Hauptsache mir geht´s gut, Hauptsache ich habe Spaß - das ist kein Leben! Menschlichkeit ist ein Risiko, Freundlichkeit riskiert etwas – aber nur damit bringe ich etwas voran in dieser Welt, das wert ist Früchte zu tragen. Was wird an meinem Grab einmal über mich geredet werden?

Wer wird um mich trauern? Was habe ich meinen Kindern vermittelt, was nicht?

„An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen" - ganz schöne Last an Verantwortung, die Jesus uns da auflegt, aber gleichzeitig auch die große Entlastung: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben!"

Amen.

 
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Jahreslosung 2010: Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.! (Römer 12,21)

 

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Predigt zum Buß- und Bettag 17. 11. 2010
 

Liebe Gemeinde, 

hätten Sie´s gewusst, wann der Buß- und Bettag als gesetzlicher Feiertag abgeschafft wurde?
1939 hat´s der „Führer und Reichskanzler“ Adolf Hitler zum ersten Mal getan, und dann 1995 unsere Volksvertreter - 15 Jahre ist das nun schon her... Kinder, wie die Zeit vergeht!

Davor als Feiertag war er ein richtiger: Bus – und Bett-Tag. Die einen haben Ausflüge unternommen, die anderen haben sich ausgeruht nach dem Motto: Ein Sonntag im Bett ist gemütlich und nett!

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Erntedank 2010 - Brot für die Welt

Brot für die Welt - Es ist genug für alle daBrot für die Welt - so heißt das kirchliche Hilfswerk, für das wir am Erntedankfest sammeln. Brot ist für unser Leben elementar (wie wir an der schönen Exteraner Windmühle anschaulich erleben können). Über unseren Umgang mit dem "täglich Brot" hat sich unser Gemeindeglied Gerhard Niemann Gedanken gemacht, die wir hier gern veröffentlichen.
Er schreibt dazu: "Unsere Eltern haben uns aus den Erfahrungen der beiden Weltkriege und den Nachkriegsjahren, auch aus christlicher Überzeugung, zu hoher Achtung und Verantwortung im Umgang mit Nahrungsmitteln erzogen. Das hieß: sorgsame Verwendung, möglichst nichts verkommen lassen, nicht mit Nahrungsmitteln spielen oder sie zu anderen Zwecken missbrauchen, auch nicht mehr auf den Teller zu tun, als wir gut essen konnten. Unsere Mutter backte oder kaufte Brot nur einmal in der Woche. Sie hat immer betont, dass altes Brot für den Magen bekömmlicher ist als zu frisches. Sie musste es ja wissen, denn sie ist 93 Jahre alt geworden."
 

Brot für die Welt 26.09.2010

80.000 Tonnen = 80.000.000 kg Brot und Brötchen werden in Deutschland jährlich als Überangebot im Handel (siehe Anlage, Artikel Herforder Kreisblatt vom 13.09.2010) verfüttert oder weggeworfen, weil wir als Verbraucher erwarten, dass die Regale noch abends bis Ladenschluss (max. 22.00 Uhr) weitgehend gefüllt sind. Das entspricht 160.000.000 (160 Mio.) Brote (a 500 g).

Die reichen Industrienationen haben zusammen gut 10-mal so viele Einwohner wie Deutschland, rd. 1 Milliarde Einwohner, 1/6 der Weltbevölkerung.

Ebenso viele Menschen, rd. 1,2 Milliarden Menschen, auch rd. 1/6 der Weltbevölkerung hungern.

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Ein frohes Neues Jahr wünscht Ihnen die evangelische Kirchengemeinde Exter

 

Predigt am 2. Sonntag nach Weihnachten, 3. 1. 2010 über 1. Johannes 5, 11-13

Liebe Gemeinde,

das neue Jahr ist da und ich bin wieder an Bord! Seit Wochen habe ich keine Predigt mehr gehalten – und ich war froh darum. Denn erstens konnte ich nach den immer negativeren Nachrichten über die erneute, diesmal unheilbare Krebserkrankung meiner Frau gar nichts sagen, schon gar nichts zur frohen Botschaft. Aber zweitens habe ich in den Wochen von Advent und Weihnachten einige Predigten von Kollegen gehört, die mich angesprochen und getröstet haben – das war eine schöne Erfahrung ...
Nun muss das Leben aber weitergehen, für mich ein Leben mit der doppelten Belastung zwischen beruflichen und privaten Pflichten – damit stehe ich ja wirklich nicht alleine, andere schaffen das auch und können auf weniger Verständnis seitens des Arbeitgebers rechnen als ich.
Der ersten Predigt nach der Pause und zugleich des neuen Jahrzehnts liegt ein ziemlich spröder und dogmatischer Text zugrunde. Für den 2. Sonntag nach Weihnachten sieht die Predigtreihe 2, die die Episteltexte umfasst, die eben schon gehörten Worte aus dem ersten Johannesbrief vor: Und dies ist das Zeugnis: Gott hat uns ewiges Leben gegeben und dieses Leben ist in seinem Sohn. Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.  Dies habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr ewiges Leben hat, ihr, die ihr an den Namen des Sohnes Gottes glaubt.

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