Kochgruppe „Lizzano“ vom 18. - 21. 6. 2010 in der Puszta - ein Reisebericht
Am frühen Morgen des 18. Juni trafen sich acht unerschrockene Schlemmerer vor dem Gemeindehaus in Exter um aufzubrechen in die ungarische Steppen-landschaft und dort ein Schlemmerwochenende zu genießen, bei dem nicht nur die Augen feucht wurden.
Doch warum acht statt zehn? Weil Dieter Tappe seine Ruth anscheinend nicht einen Tag missen möchte. Und weil Gerhard Linnenbecker von einem akuten Unwohlsein befallen worden war, sehr zu unserer Enttäuschung - doch von ihm an anderer Stelle weiteres…
Auf ging´s um 6.15 Uhr zum Flughafen Dortmund - Abflug 9.30 Uhr. Die Koffer einiger schienen auffallend groß für eine so kurze Reise, doch schnell war klar, Mann hatte nur genügend Freiraum für ungarische Spezereien eingeplant. Der Flug verlief normal - Landung 11.10 Uhr - BUDAPEST! Allein der Klang des Namens verspricht schon Geheimnisse, wo war z.B. unser Mietwagen oder wenigstens die Verleihfirma? Wieso konnte nicht mal die Tourist-Information Auskunft geben? Doch alles klärte sich auf. Auch dass der „Große Preis von Ungarn“ der Formel 1 Schuld trug daran, dass wir nicht den erwarteten Mietbus erhielten, sondern nur zwei Pkw. Ralf Steiner und Klaus Dieter Wiegner wurden fortan unsere Fahrer (herzlichen Dank) und mit etwas Verspätung ging es vom Feryhegy –Airport in die City.
Nach einem Streifzug durch die Straßen stellte sich der Hunger ein und man fand ein gemütliches Lokal, um das Schlemmerwochenende zu beginnen. Das WM-Spiel Deutschland-Serbien im TV minderte etwas den Appetit. Salvatore Fischetti, Friedhelm Rau und Gerd Kruse zogen indes weiter um sich die berühmte Budapester Markthalle anzusehen und sich verzaubern zu lassen von der Atmosphäre dieser 110 Jahre alten, riesigen Halle und dem unglaublichen Angebot an Lebensmitteln.
Am Nachmittag steuerten die Schlemmerer dann ihr eigentliches Reiseziel an - die „Tanya-Anja“ in Csengele, 150 km weiter südlich. Doch bevor sie dort ankamen, ereignete sich noch etwas für alle besonders erfreuliches - Gerhard Linnenbecker kündigte nach einer Spontanheilung telefonisch sein Erscheinen auf der „Tanya-Anja“ für Mitternacht an.
Der Empfang durch Anja und Wolfgang Steiner war erwartet herzlich, da man sich schon im Zuge von Otto Steiners achtzigstem Geburtstag kennengelernt hatte. Sie verwöhnten uns mit Obstbränden aus eigener Herstellung sowie ungarischem Wein und Bier. Wolfgang grillte an unserem ersten Abend Hühnerkeulen, ungarische Würste und Hackröllchen in einer Menge, die vermutlich auch für die anderen Kochgruppen gereicht hätte. Und so wurde am Ende des ersten Tages auch Gerhard Linnenbecker, für den wir natürlich alle wach geblieben waren, noch satt.
Der zweite Tag begann um 8 Uhr mit einem reichhaltigen Frühstück: Eier, Schinken, Wurst vom Mangalica Schwein, dem nicht nur geschmacklich selbst Gerhard Reckefuß Respekt zollte, Säfte, Kaffee, Tee etc. ließen uns gut gelaunt in einen Tag starten, der sonnig wurde, nachdem es in Ungarn die Wochen zuvor so viel geregnet hatte, dass noch immer große Teile unter Wasser standen und die Zufahrt zur Tanya unseren beiden Fahrern ihr Können abverlangte.
Erster Tagespunkt war die Besichtigung des größten ungarischen Spargelanbau- und Exportbetriebes "Vetter Hungary". Wir waren beeindruckt von der Anlage aber auch von der harten Arbeit, die hier geleistet wurde beim Ernten, Waschen, Sortieren und Verpacken, sieben Tage die Woche, selbst Ostern und Pfingsten.
Dann ging es weiter nach Szeged, zur sonnenreichsten Stadt Ungarns, gelegen an der Mündung des Maros in die Theiss. Heute legte die Sonne sich mächtig ins Zeug.
Bei 30 Grad im Schatten schleppten wir uns durch die Straßen zur Synagoge, zum Dom und natürlich auch zwischendurch zu einem Café um einen Espresso, ein Bier oder die Aussicht zu genießen - die Kochbrüder wissen, was ich meine.
Nach der Heimfahrt am späten Nachmittag erwartete uns noch eine „ausgefallene“ Kutschfahrt durch die Puszta bei Csengele, während der in der Tanya zurückgebliebene Gerd Kruse beim Zeichnen der umliegenden Landschaft von den Mücken als Schlemmerwochenende missbraucht wurde.
Die Kutschfahrt mit Hundezüchterin Karin ist nur deshalb ausgefallen, weil die Bremsen blockierten und die Lederriemen rissen. So gingen einige zu Fuß den Sandweg spazieren, andere nahmen ersatzweise die Minikutsche. Am wichtigsten blieb aber die Begegnung zwischen Salvatore und Josef, weil hier der Maulbeerbaum überreicht wurde, der inzwischen in der Bachstraße wächst und gedeiht.
Zeitgleich begann Wolfgang Steiner den Szegeder Fischtopf vorzubereiten, für die meisten der kulinarische Höhepunkt der Reise. Paprika und Zwiebeln, angebraten im aromatischem Schmalz vom Mangalica Schwein, dazu Zander und Welse, stundenlang in einem Kessel über offenem Feuer gegart, ergaben einen unvergleichlichen Geschmack.
Der dritte Tag begann wieder mit einem opulenten Frühstück. Danach besuchten wir die Bogac Puszta, wo uns ein Hirten-Museum (ungarisch Pastor-Museum) Einblick gab in das vergangene Leben dieses für die Puszta so typischen Berufsstandes. Imposante Darbietungen zu Pferde und Peitschen-Wettkämpfe, an denen auch Friedhelm Rau teilnehmen durfte, waren ein echter Knalleffekt.
Weiter ging es für uns zum Thermalbad nach Kiskunmajsa, wo wir einen erholsamen Nachmittag verbrachten in schwefelhaltigen Bädern, Schwimmbecken oder Saunen. Nicht zu vergessen die Massage, die Wolfgang für jeden von uns gebucht hatte.
Der Vorabend unserer Abreise endete mit Schweinefilet, Fisch und Spargel. Die Gesangseinlagen, zu denen uns Heinz Twelsiek anstiftete verliefen kongruent zum Weinkonsum und unterstrichen die ausgelassene Stimmung in der Gruppe.
Am 21. Juni um 7 Uhr ging´s zurück zum Flughafen nach Budapest. Da unser Finanzminister Gerhard Pahmeier (genannt „Sparkasse“) jeden getauschten Forint spaßbringend ausgegeben hatte, hielt uns nichts mehr und so trafen wir gegen 16 Uhr wieder am Gemeindehaus ein. Um viele Erlebnisse und ein Maulbeerbäumchen reicher…
Gerd Kruse